Solidaritätserklärung an die Herner Str. 131 in Bochum

Am 19. Mai 2017 wurde in der Herner Straße 131 ein unbewohnter Altbau besetzt. Dieser steht symbolisch für viele Gebäude, hier und anderswo, die weder genutzt noch in Stand gehalten werden.

In den meisten Fällen sind Leerstände Spekualtionsobjekte die der Belebung des Immobilienmarktes dienen. Dieses Problem ist systeminnewohnend und lässt sich nicht durch symbolisches Stadtmarketing vertuschen. In anderen Fällen, wie in diesem kümmern sich die Besitzer*Innen nicht um die Immobilien
Wir können nicht erwarten, dass Imobilienbesitzer*Innen oder staatliche Institutionen dafür sorgen, dass möglichst allen Menschen bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, welcher den individuellen Bedürnissen gerecht wird oder Räume für die bedingungslose und unkommerzielle Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Gewinne werden immer wichtiger sein als die Existenzgrundlage der Menschen. Wir werden innerhalb dieser Ordnung weiterhin jeden einzelnen Fortschritt erkämpfen und uns darauf gefasst machen müssen, dass wir in drei Jahren wieder mit dem selben Problem zu kämpfen haben. Lassen wir uns nicht entmutigen und gehen selbstbewusst voran. Es ist immer und zu jeder Zeit an der Zeit, um alles zu ändern.

Hierzulande wird dem Menschen sehr stark vordefiniert wie anständiges Wohnen und gemeinschaftliches Miteinander zu sein haben. Dies wird vom größten Teil der Gesellschaft akzeptiert und gewollt. Unter anderem, durch eine starke Vereinzelung innerhalb dieser Gesellschaft ziehen sich Menschen stark in private Räume zurück. Man könnte fast meinen die Leute wollen bloß nix mehr von den Anderen mitbekommen. Jeder lebt für sich alleine. Dabei stehen Mietende zumeist in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Vermietenden, wodurch diese eine noch schlechtere Verhandlungsposition haben. Ganz zu schweigen von einer aktiven, gleichberechtigten Mitgestaltung und Nutzung des jeweiligen Mietobjektes.
Hausbesetzungen sind für uns eine legitime Protestform, weil sie Gentrifizierung, Wohnungslosigkeit, Leerstände und Verfall, sowie die Kommerzialisierung von soziokulturen Räumen auf eine Art kritisieren, die vorlebt wie Menschen sich diesem System widersetzen können und gleichzeitig eine selbstbestimmte Alternative vorlebt.
Unsere Zukunft können wir nur durch selbstbestimmtes Handeln gestalten. Aus diesem Grund solidarisieren wir uns mit den Hausbesetzer*Innen der Hernerstr.131. Sie schaffen in Mitten vieler Zwänge eine zwischenmenschliche Oase in der ein stärkeres, libertäreres Miteinander ermöglich ist.

Solidarische Grüße
AGSB