Archiv für Juni 2017

Warum die Orsons keine coole Band sind (Achtung Triggerwarnung)

Wir, das Schwarze Brett werden uns am 05.06.2017 auf dem Pfingst Open Air mit einem Infosstand beteiligen. Wir sind nicht nur ein Infostand der wahllos irgendwelche Broschüren verteilt, sondern eine politische Gruppe, die sich auch mit den Bands auf den Festivals und Konzerten, die wir besuchen beschäftigt.
Es ist uns völlig unverständlich wie die Betreiber*Innen des „Pfingst Open Air Werden“, also das Jugendamt Essen eine Band, wie die „Orsons“ als Headliner einladen können. Die Orsons besingen in ihren Texten sexualisierte Gewalt, inklusive Vergewaltigungsfanatasien und den unkritischen Gebrauch von Betäubungsmitteln. Außerdem äußern sie sich sexistisch, transfeindlich sowie antisemitisch.
Wie viele andere Gruppen, die diese Band und diverse Festivals für die Einladung der Gruppe kritisiert haben, kritisieren auch wir nun die Veranstalter*innen des Pfingst Open Airs für ihre völlig unkritische Bandauswahl. Da sich die Organisator*Innen des Festivals bisher auf unsere, zugegebener Maßen sehr kurzfristige Anfrage, wieso sie ausgerechnet diese Band als Headliner eingeladen haben nicht geäußert haben, lassen sich Gründe nur erahnen. Die Band ist bekannt und hat eine größere Fangemeinde, sodass wir daraus schließen, dass es bei der Auswahl vorallem um finanzielle Aspekte ging. Im Folgenden werden wir kurz auf die Texte der Orsons eingehen und einige Beispiele herausstellen:

1. Das Lied „Beatles Piraten“

Zitat: “Ich steh da mit meinem Steifen und denk;„ah okay richtig geil!” jetzt wird es Zeit für K.O Tropfen im Wein ich zieh die Hose aus und hör…“

Hier wird völlig unkritisch eine Vergewaltigungsfantasie beschrieben, die durch die positive Bezugnahme im Text, als Aufforderung zur Vergewaltigung von Frauen* gesehen werden kann. Auch das Besingen von Ko-Tropfen, die vom Täter genutzt werden, damit sich das Opfer nicht wehren kann ist unerträglich. Durch das Besingen dieser Tat und dem dazu abgehen der Fans werden sämtliche Opfer, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind verhöhnt.

Zitat: „Ich will, dass Frauen in meine Wohnung laufen und locke sie wie jüdische Pädophile im Auto „Hey, willst du nen Bonbon kaufen?…“

Der Jude ist hier zu geizig dem Kind, an welchem er* sie* Interesse hat ( hier die Frau*) ein Bonbon zu schenken, deswegen verkauft er diese. Den allgemeinen Juden als pädophilen und indirekt als Geizhals zu bezeichnen ist offener Antisemitismus, wobei das Wort “ pädophil…” eher als eine verbale Verstärkung der gewollten Aussage dient. Somit verstärkt die Band wortgewaltig ihre antisemitische Aussage. Ganz nebenbei werden Frauen* auch noch durch einen indirekten Vergleich zwischen „unmündigen“ Kindern und handlungsfähigen Frauen in ihrer Entscheidungsfähigkeit herabgesetzt und als unmündig erklärt. Hier erleben wir wie Antisemitismus und Sexismus Hand in Hand gehen.

Zitat: „Ich bin Politrapper, geh raus und erstech ein paar Transen. Ich hab nichts vor im nächsten Jahr. Außer ein bisschen Stress anzufangen und besser zu tanzen….“

Da brauchen wir nicht viel zu erklären. Hier wird ganz offen der willkürliche Mord an Transmenschen besungen. Ganz nebenbei wird durch die Verwendung des Wortes „Transen“ die eigentliche Aussage noch verstärkt. Transfeindlichkeit ist in jeglicher Hinsicht nicht hinnehmbar.

2. Das Lied Sexuell Belästigt

Zitat: „Gib mir deine Hand; ach ich greif einfach zu. Für mich ist es Liebe pur, doch Du fühlst dich nur sexuell belästigt….“

Dadurch, dass die Band gezielt nicht sagt was mit der nicht bereitwillig gegeben Hand passiert, spielt sie durch in Titel und Songtext enthaltene Hindeutung zu „sexueller “Beläst..[igung]“ mit den Gedankengängen der Hörer*Innen und zwingt diese sich, in die eine oder andere Perspektive hinein zuversetzen. Dies verstehen wir auch als eine bewusste Ausübung von Macht über die Hörer*Innen, durch die betroffene Personen sexualisierter Gewalt massiv psychisch wiederverletzt werden können. Durch die eher positve Besingung im Text wird sexualsierte Gewalt nicht nur verharmlost, sondern ebenfalls auf einer psychischen Ebene weiter geführt.

3. Das Lied Horst und Monika

Mit diesem Lied wurde die Band 2012 fünfter beim Bundesvision Song Kontest. Im Lied wird die Geschichte einer real existierenden Transfrau erzählt, die durch die, NPD zwangsgeoutet wurde. Sie war zuvor NPD Mitglied und wechselte später in die Partei die Linke.

„Da gab’s ein Mann von relativ kräftiger Statur, auf der Bomberjacke, ein Wappen der NPD. Jetzt hab’ ich Freunde, hier kann mich wer leiden. Er hieß Horst, und Horst fühlte sich nicht mehr wohl in sein’ Körper, er hatte genug von sein’ Hodensack.(Taschenbillard, immer das gleiche). Also hat Horst gedacht schneid ich ihn einfach ab, trete aus, werde links dann nenn ich mich Monika“.

Hier wird provokativ besungen, dass es sich beim Trans* sein lediglich um einen medizinischen Eingriff handelt. Mit der besondern Bezugnahme auf rein körperliche Merkmale suggeriert der Textabschnitt wie wenig ernst die Band den persönlichen Wandel der Person nimmt und macht sie völlig lächerlich. Abgesehen davon, wird die nationalsozialistische Ideologie, die Trans* Menschen gar vernichten will indirekt legitimiert.

„Also hat Horst gedacht schneid ich ihn einfach ab, trete aus, werde links dann nenn ich mich Monika.“

Durch den Vergleich des Wandels vom Mitglied der NPD hinzu der Partei Die Linke, mit dem Wandel der Person von einem Mann* zu einer Frau*, der so „einfach“, ein “Hechtsprung” sein soll positioniert sich die Band eindeutig. Sie erkennt die persönliche Entscheidung der betroffenen Person nicht an sondern zieht sie noch weiter ins Lächerliche.

Die Betroffene verklagte die Band und erstattete Anzeige, lies diese jedoch später wieder fallen. Unbeeindruckt davon, nimmt die Band den Song nicht von ihrer Playlist, sondern spielt ihn wieder und wieder, obwohl sich die Person niemals freiwillig geoutet hat. Somit wird sie immer wieder öffentlich bloßgestellt.

Sicherlich ist das nur eine von vielen Bands die solche Inhalte von sich geben und trotzdem werden wir diese Band nicht einfach so unkommentiert hinnehmen. Wir werden uns allerdings auch nicht von dem Festival distanzieren und uns vor Ort ganz klar positionieren. Wir fordern die Festivalbetreiber*Innen auf, sich in Zukunft mehr mit den gebuchten Bands auseinander zu setzen und die finanziellen Beweggründe, nicht als wichtiger in den Fordergrund zu stellen. Es ist schon sehr merkwürdig wie die Festivalbetreibenden uns als Gruppe auffordern den Verkauf von Betäubungsmitteln, sowie die Ausgabe von gewaltverherrlichenden Dingen zu unterlassen und gleichzeitig eine Band einladen, die genau das tut bzw. dazu aufruft. Wir wünschen uns, dass die Organisation des Pfingst Open Airs unsere Kritik solidarisch auffasst.

Dem Patriarchat entgegen. Für die Freiheit!

Solidaritätserklärung an die Herner Str. 131 in Bochum

Am 19. Mai 2017 wurde in der Herner Straße 131 ein unbewohnter Altbau besetzt. Dieser steht symbolisch für viele Gebäude, hier und anderswo, die weder genutzt noch in Stand gehalten werden.

In den meisten Fällen sind Leerstände Spekualtionsobjekte die der Belebung des Immobilienmarktes dienen. Dieses Problem ist systeminnewohnend und lässt sich nicht durch symbolisches Stadtmarketing vertuschen. In anderen Fällen, wie in diesem kümmern sich die Besitzer*Innen nicht um die Immobilien
Wir können nicht erwarten, dass Imobilienbesitzer*Innen oder staatliche Institutionen dafür sorgen, dass möglichst allen Menschen bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht, welcher den individuellen Bedürnissen gerecht wird oder Räume für die bedingungslose und unkommerzielle Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Gewinne werden immer wichtiger sein als die Existenzgrundlage der Menschen. Wir werden innerhalb dieser Ordnung weiterhin jeden einzelnen Fortschritt erkämpfen und uns darauf gefasst machen müssen, dass wir in drei Jahren wieder mit dem selben Problem zu kämpfen haben. Lassen wir uns nicht entmutigen und gehen selbstbewusst voran. Es ist immer und zu jeder Zeit an der Zeit, um alles zu ändern.

Hierzulande wird dem Menschen sehr stark vordefiniert wie anständiges Wohnen und gemeinschaftliches Miteinander zu sein haben. Dies wird vom größten Teil der Gesellschaft akzeptiert und gewollt. Unter anderem, durch eine starke Vereinzelung innerhalb dieser Gesellschaft ziehen sich Menschen stark in private Räume zurück. Man könnte fast meinen die Leute wollen bloß nix mehr von den Anderen mitbekommen. Jeder lebt für sich alleine. Dabei stehen Mietende zumeist in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Vermietenden, wodurch diese eine noch schlechtere Verhandlungsposition haben. Ganz zu schweigen von einer aktiven, gleichberechtigten Mitgestaltung und Nutzung des jeweiligen Mietobjektes.
Hausbesetzungen sind für uns eine legitime Protestform, weil sie Gentrifizierung, Wohnungslosigkeit, Leerstände und Verfall, sowie die Kommerzialisierung von soziokulturen Räumen auf eine Art kritisieren, die vorlebt wie Menschen sich diesem System widersetzen können und gleichzeitig eine selbstbestimmte Alternative vorlebt.
Unsere Zukunft können wir nur durch selbstbestimmtes Handeln gestalten. Aus diesem Grund solidarisieren wir uns mit den Hausbesetzer*Innen der Hernerstr.131. Sie schaffen in Mitten vieler Zwänge eine zwischenmenschliche Oase in der ein stärkeres, libertäreres Miteinander ermöglich ist.

Solidarische Grüße
AGSB