Unterdrückung und Sprache

Durch unsere Infostände stehen wir in einer breiten Öffentlichkeit, die für eine Sprachsensibilisierung genutzt werden kann. Auf der Grundlage unseres Selbstverständnisses wäre es eine Sache der Selbstverständlichkeit, dass sich unsere Auslage einem kritischen Sprachgebrauch bedienen würde. Allerdings ist es schwierig und zeitaufwändig Broschüren mit einem nicht diskriminierenden Sprachgebrauch für unsere Auslage zu finden. Einige dieser Broschüren finden wir trotz ihres sprachlichen Defizites inhaltlich sinnvoll und hilfreich, sodass wir uns entschieden haben diese auszulegen. Wir sehen uns in der Verantwortung kritisch auf die verwendete Sprache hinzuweisen. In diesem Rahmen ist es uns leider nicht möglich alle diskriminierenden Aspekte und Auswirkungen von Sprache ausgiebig zu beleuchten und kann somit nur eine relativ einseitige Andeutung einer komplexen Thematik sein.

Sprechen und Schreiben sind konkrete Handlungen die gesellschaftliche Wirklichkeit erzeugen und widerspiegeln. Dem zur Folge, finden mit und durch Sprache verschiedenste Diskriminierungsformen statt. Das Ausmaß der Diskriminierung nimmt dabei ungeahnte Dimensionen an. Das geschieht zum Beispiel durch Benennungen und nicht Benennungen, durch Verallgemeinerungen, Normierungen und Bewertungen direkt wie indirekt.

Im Kontext unserer Auslage beobachten wir zum Beispiel die allgemeine Verwendung des generischen Maskulinums. Damit ist die Verwendung von männlichen Formen zur Ansprache und Benennung von allen Geschlechtern gemeint. Diese Form ist identisch mit der spezifisch männlichen Form. Alle aktuellen Studien zum Einfluss sprachlicher Formen auf die Wahrnehmung zeigen, dass auf einer psychischen Ebene zu allererst männliche Personen assoziiert werden und zwar durchgängig und unabhängig von anderen Geschlechterstereotypen2. Von einer Ansprache aller Geschlechterstereotype kann somit keine Rede sein, auch wenn es von dem/der Autor_In1 so gewollt ist. Darüber hinaus werden durch diese Form oder eine Benennung beider Geschlechterstereotype Menschen nicht benannt und unsichtbar gemacht, die sich dem nicht zuordnen wollen und/oder können, was Ausdruck derer Anerkennung innerhalb dieser Gesellschaft ist.
Wir merken also, dass Sprachdiskriminierung selbst bei diesem spezifischen Thema auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Auswirkungen stattfindet.
Wir wünschen uns für die Zukunft mehr Broschüren, in denen sich die Autor_Innen nicht nur inhaltlich mit dem Thema der Broschüre beschäftigen, sondern auch wie sie diese schreiben. Natürlich richtet sich dieser Betrag auch an die Leser_Innen, die bei unserem Infostand fündig geworden sind.
Sprache ist nichts abgeschlossenes, feststehendes sondern entwickelt sich stetig. In diesem Sinne möchten wir alle ermuntern, sich mit diesem unheimlich spannenden Themenfeld auseinander zusetzten und sich Möglichkeiten zu überlegen, die eigenen Sprachhandlungen zu verbessern. Zuletzt ist noch auf feministisch-sprachandeln.org hin zuweisen, die eine sehr gute und ausführliche Broschüre zum Thema Sprachhandlungen herausgegeben haben und die ihr selbstverständlich auch bei uns findet.

  1. Mit dem Unterstrich zwischen Autor und Autorin wollen wir sowohl beide Geschlechterstereotype ansprechen, als auch Raum für Menschen schaffen, die sich beidem nicht zuordnen wollen oder können. [zurück]
  2. Stereotype sind personen- oder gruppenbezogene Vorstellungsbilder [zurück]

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